Was für ein tolles Buch!

Reinhold Stansich:

Der Autor Mark Haddon sammelte in der Vergangenheit einige Erfahrung
bei der Betreuung von autistischen Menschen. Aus diesem Wissen heraus
schuf er nun ein Buch, das sich genau diesem Thema widmet. Dazu
entwickelte er die Figur des Christopher Boone, eines fünfzehnjährigen
Jungen der an Aspergersyndrom (leichte Form des Autismus) leidet.
Christopher ist der Icherzähler der Geschichte. Er geht zur
Sonderschule, denn er findet sich in der "normalen" Welt nicht zurecht.
Er spricht nicht mit Fremden, begibt sich nicht in unbekanntes Gebiet,
wird von Menschenmengen zur Unbeweglichkeit begleitet von
Schreikrämpfen gezwungen, usw.

Das
Buch beginnt damit, dass der Pudel der Vis-à-Vis-Nachbarin mit einer
Heugabel erstochen wurde. Christopher - der ein Liebhaber von Sherlock
Holmes ist, aber Sir Conan Arthur Doyle verachtet - will den Fall
aufklären. Dazu muss er vieles unternehmen, was ganz gegen seine
Überzeugungen und Lebensansichten ist - so muss er zum Beispiel mit
Fremden sprechen. Je weiter er jedoch vordringt um so mehr wird über
sein Leben offenbar - und auch über jenes seiner Eltern. Seine Suche
nach dem Täter stürzt ihn in eine Krise.

Ich hielt die
Darstellung des Rainman durch Dustin Hoffman immer schon für einen
Geniestreich, doch bei dieser Lektüre stieg meine Hochachtung weiter.
Das Buch ist bittersüß, man ist zerrissen zwischen den Gefühlen. Die
Kaltschnäuzigkeit mit der Christopher hochemotionale Tatsachen
betrachtet ist fesselnd. Die klar logische Strukturierung seines
Lebens, aber auch die Unfähigkeit mit der normalen Welt umzugehen ist
ebenso mitreißend wie die wunderbare Beschreibung wie er es dennoch
schafft über seinen Schatten zu springen.

Die Sprache des
Buches ist perfekt an die sprachlichen Stärken (sehr exakt) und
Defizite (verhaftet an der immer gleichen Formulierung) von Autisten
angepasst. Ebenso verhält es sich mit der Charakterisierung der
Personen, diese sind schemenhaft, wie sie von einem Autisten
wahrgenommen werden. Allerdings muss man hier auch darauf hinweisen,
dass die deutsche Übersetzung deutlich schwächer ist als das englische
Original.

Dieses Buch muss man gelesen haben, wenn man sich ein
wenig für die Gefühlswelt anderer Menschen interessiert. Es ist ein
unheimliches Erlebnis, das man nicht mehr vergessen wird. Für mich
eindeutig eines der Bücher die einen Eintrag in die Liste meiner
Lieblingsbücher verdient. Eines der wenigen Bücher die ich für würdig
halte, mehr als einmal gelesen zu werden. Wenn man ein wenig Englisch
kann, dann allerdings sollte man jedenfalls zum Original greifen.

Link zu Amazon

"Buchtipp - Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone" by totalblogal was published on January 17th, 2006 and is listed in Bücher.

Follow comments via the RSS Feed | Leave a comment

Leave Your Comment

Subscribe without commenting

Totalblogal is powered by WordPress

eXTReMe Tracker

Wearing the Over It Light Skin for Shifter by Buzzdroid